Cosmos

Mit Andrzej Żuławski verstarb im Februar 2016 ein Multitalent, das als Regisseur ebenso wie als Schriftsteller Erfolge feierte. Während seine Autoren-Karriere erst in den Neunzigerjahren begann, drehte er bereits seit den Siebzigern Kinofilme – einen großen Teil davon in Frankreich. So auch die portugiesisch-französische Produktion Cosmos, sein Comeback nach 15 Jahren Kino-Abstinenz, das überraschend zu seinem filmischen Vermächtnis wurde.

Was hat er uns hinterlassen? Eine Verfilmung des letzten Romans des literarischen Enfant terribles Witold Gombrowicz, an dessen Texten sich Regisseure regelmäßig die Zähne ausbeißen. In „Cosmos“ mietet sich der junge Witold gemeinsam mit seinem Freund Fuchs in eine Pension ein und spürt dort rätselhaften Zeichen und Ereignissen nach, während die sinnliche Lena zunehmend zu seiner Obsession wird. Aber die verstreuten, chaotischen Fundstücke lassen sich nicht zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfassen, sie bleiben eine Ansammlung zusammenhangloser Symbole.

Gombrowiczs ebenfalls in Frankreich verfasstes Buch war in Polen bereits dreimal für das Fernsehen verfilmt worden, bevor Żuławski es auf die große Leinwand brachte. Er erzählt die Geschichte ohne übermäßigen Respekt vor dem Text, mit großer Lässigkeit, zahlreichen Tempowechseln und durchsetzt mit Zitaten aus Literatur und Kinematografie. Dabei überträgt er die Handlung in die Gegenwart sowie vom östlichen ins westliche Europa und würzt sie mit einer kräftigen Prise Humor. Die Filmkritik raunt bereits, Cosmos sei die bislang gelungenste Gombrowicz-Verfilmung und habe definitiv das Zeug zum Kultfilm.


Kategorie:
Neues Polnisches Kino
Polnischer Titel:
Cosmos
Deutscher Titel:
Cosmos
Produktionsjahr:
2015
Dauer:
01:43
Festivalausgabe:
2016
Regie
Andrzej Żuławski
Drehbuch
Andrzej Żuławski
Musik
Andrzej Korzyński